Seitenstruktur einer Website planen: Seiten, Ebenen und URLs
Welche Seiten braucht Ihre Website, wie hängen sie zusammen und wie sollten die Adressen heißen? Mit einer durchdachten Seitenstruktur finden Besucher schneller, was sie suchen – und Google versteht, wofür jede Seite steht.
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Seitenstruktur?
- Welche Seiten braucht eine Firmenwebsite?
- Ein Thema pro Seite
- Flache oder tiefe Struktur?
- URLs sinnvoll benennen
- In 7 Schritten zur Seitenstruktur
- Sonderfälle: Zielgruppen, Standorte und Wissensbereich
- Typische Fehler in der Seitenstruktur
- Struktur ändern bei einer bestehenden Website
- Checkliste
- Häufige Fragen
- Die Seitenstruktur legt fest, welche Seiten es gibt, wie sie geordnet sind und wie ihre Adressen lauten. Sie entsteht vor Gestaltung und Texten.
- Grundregel: ein Thema pro Seite. Jede wichtige Leistung bekommt eine eigene Seite, statt dass mehrere Seiten dasselbe Thema behandeln.
- Für die meisten Firmenwebsites reichen zwei bis drei Ebenen. Wichtige Seiten sollten mit wenigen Klicks erreichbar sein.
- URLs sollten kurz, lesbar, kleingeschrieben und mit Bindestrichen gegliedert sein – so empfiehlt es auch Google.
- Bei einer Überarbeitung gilt: Jede alte Adresse, die wegfällt, braucht eine Weiterleitung auf die passende neue Seite.
Bevor über Farben, Bilder oder Texte gesprochen wird, sollte eine Frage beantwortet sein: Welche Seiten bekommt die Website, und wie hängen sie zusammen? Diese Seitenstruktur ist das Gerüst, auf dem alles andere aufbaut. Ist sie unklar, finden Besucher Informationen nicht, Texte überschneiden sich und Google weiß nicht, welche Seite für welches Thema stehen soll.
In diesem Leitfaden zeigen wir, welche Seiten eine typische Firmenwebsite braucht, wie tief die Struktur sein sollte, wie Sie Adressen sinnvoll benennen – und wie Sie in sieben Schritten zu Ihrer eigenen Struktur kommen.
Was bedeutet Seitenstruktur?
Die Seitenstruktur – Fachleute sprechen auch von Informationsarchitektur – beschreibt drei Dinge:
- Welche Seiten es gibt und welches Thema jede Seite abdeckt,
- wie sie geordnet sind, also welche Seite einer anderen über- oder untergeordnet ist,
- wie ihre Adressen (URLs) lauten.
Die Struktur ist nicht dasselbe wie das Menü. Das Menü zeigt eine Auswahl der wichtigsten Seiten, die Struktur umfasst alle. Wie Sie Menüs gestalten, erklärt der Beitrag Website-Navigation gestalten. Wie Seiten untereinander verlinkt werden sollten, steht im Beitrag Interne Verlinkung. Hier geht es um das Fundament darunter.
Welche Seiten braucht eine Firmenwebsite?
Die genaue Auswahl hängt von Angebot und Zielen ab. Für Handwerksbetriebe, Praxen, Kanzleien und Dienstleister hat sich folgendes Grundgerüst bewährt:
| Seitentyp | Zweck | Einordnung |
|---|---|---|
| Startseite | Überblick geben und zu den Unterseiten verteilen | Pflicht |
| Leistungsseiten (je Leistung eine) | Eine Leistung ausführlich erklären und zur Anfrage führen | Pflicht |
| Kontakt | Alle Kontaktwege, Anfahrt, Erreichbarkeit | Pflicht |
| Impressum und Datenschutzerklärung | Gesetzliche Pflichtangaben | Pflicht |
| Über uns | Team, Geschichte, Arbeitsweise – Vertrauen aufbauen | Empfohlen |
| Referenzen bzw. Projekte | Ergebnisse zeigen | Empfohlen |
| Karriere | Fachkräfte und Auszubildende gewinnen | Bei Bedarf |
| Standortseiten | Mehrere echte Niederlassungen abbilden | Bei Bedarf |
| Ratgeber bzw. Wissen | Häufige Kundenfragen ausführlich beantworten | Optional |
Ob all das auf einzelne Seiten gehört oder auch auf eine einzige lange Seite passt, ist eine eigene Entscheidung. Hilfe dazu gibt der Beitrag Onepager oder mehrere Unterseiten?.
Ein Thema pro Seite
Die wichtigste Regel für eine gute Struktur lautet: Jede Seite hat genau ein Hauptthema, und jedes Hauptthema hat genau eine Seite. Ein Elektriker, der Photovoltaik, Wallboxen und Elektroinstallation anbietet, braucht drei Leistungsseiten – nicht eine Sammelseite „Leistungen“, auf der alles steht, und nicht zusätzlich eine zweite Seite „Solaranlagen“, die dasselbe erzählt wie „Photovoltaik“.
Google schreibt in seinem SEO-Leitfaden, dass Suchmaschinen für einen Inhalt jeweils eine einzige URL auswählen, die in den Ergebnissen erscheint. Gibt es mehrere Seiten zum selben Thema, konkurrieren sie miteinander, und keine wird richtig stark. Wie Sie solche Überschneidungen erkennen und auflösen, erklärt der Beitrag Keyword-Kannibalisierung.
Schreiben Sie für jede geplante Seite einen Satz: „Diese Seite beantwortet die Frage …“. Wenn zwei Seiten denselben Satz bekommen, legen Sie sie zusammen. Wenn Sie für eine Seite keinen Satz finden, braucht es sie vermutlich nicht.
Flache oder tiefe Struktur?
Eine flache Struktur hat wenige Ebenen mit vielen Seiten pro Ebene, eine tiefe Struktur viele Ebenen mit wenigen Seiten. Die Nielsen Norman Group kommt in ihrer Auswertung zu dem Schluss, dass tiefe Hierarchien bei sonst gleichen Bedingungen schwerer zu benutzen sind, weil Besucher mehr Schritte bis zum Ziel brauchen. Zu flach ist aber auch nicht gut: Sehr viele gleichrangige Menüpunkte überfordern und überschneiden sich leicht.
Für Firmenwebsites mit fünf bis fünfzig Seiten heißt das in der Praxis:
- Zwei bis drei Ebenen reichen fast immer: Startseite, Hauptbereiche, einzelne Seiten.
- Wichtige Seiten – vor allem Leistungen und Kontakt – sind von der Startseite aus direkt verlinkt.
- Übersichtsseiten wie „Leistungen“ lohnen sich, wenn es viele Unterseiten gibt und Besucher eine Orientierung brauchen.
URLs sinnvoll benennen
Die Adresse einer Seite ist Teil der Struktur. Google empfiehlt in seinen Best Practices zur URL-Struktur, lesbare Wörter statt langer ID-Nummern zu verwenden, Wörter mit Bindestrichen statt Unterstrichen zu trennen und auf einheitliche Groß- oder Kleinschreibung zu achten, weil Google unterschiedlich geschriebene URLs als verschiedene Adressen behandelt.
Daraus ergeben sich einfache Regeln:
- Kurz und sprechend:
/leistungen/badsanierung/statt/index.php?id=47. - Kleinschreibung und Bindestriche:
/waermepumpe-foerderung/, nicht/Waermepumpe_Foerderung/. - Umlaute umschreiben: Nicht-ASCII-Zeichen werden in URLs kodiert und sehen beim Teilen oft kryptisch aus. Mit ae, oe, ue und ss sind Sie auf der sicheren Seite.
- Keine Jahreszahlen oder Füllwörter, wenn sich der Inhalt künftig ändern kann – sonst passt die Adresse bald nicht mehr.
- Verzeichnisse mit Bedacht: Ordner wie
/leistungen/oder/karriere/zeigen Zusammengehörigkeit. Sie verlängern aber jede Adresse. Für kleine Websites ist auch eine flache URL-Struktur völlig in Ordnung.
Zur Orientierung auf tieferen Seiten helfen Navigationspfade (Breadcrumbs). Laut Google zeigen sie die Position einer Seite in der Websitehierarchie und helfen Nutzern, den Aufbau der Website zu verstehen.
Jede URL, die sich ändert, verliert zunächst ihre gewachsenen Signale bei Google und alle Links, die auf sie zeigen. Planen Sie Adressen deshalb von Anfang an sorgfältig. Muss sich doch etwas ändern, braucht jede alte Adresse eine dauerhafte Weiterleitung auf die neue.
Wir entwickeln Seitenstruktur, URLs und Menü gemeinsam mit Ihnen – abgestimmt auf Ihre Leistungen.
In 7 Schritten zur Seitenstruktur
- Ziele und Zielgruppen klärenWer soll die Website nutzen, und was sollen diese Menschen tun? Ein Sanitärbetrieb, der Privatkunden und Hausverwaltungen anspricht, braucht andere Seiten als einer, der nur Neubauprojekte macht.
- Bestand erfassenBei einer bestehenden Website listen Sie alle vorhandenen Seiten auf und bewerten sie: behalten, überarbeiten, zusammenlegen oder löschen. Die Nielsen Norman Group nennt das Inhaltsinventur und -audit.
- Themen sammelnNotieren Sie alle Leistungen und alle Fragen, die Kunden am Telefon stellen. Ergänzen Sie, wonach in Ihrer Branche gesucht wird.
- GruppierenOrdnen Sie die Themen zu Gruppen, wie Ihre Kunden sie verstehen – nicht wie Ihre Abteilungen organisiert sind. Schreiben Sie dafür jedes Thema auf eine Karte und lassen Sie Kollegen oder Kunden sortieren.
- Hierarchie festlegenBestimmen Sie Hauptbereiche und Unterseiten. Prüfen Sie: Ist jede wichtige Seite mit wenigen Klicks erreichbar?
- URLs und Seitentitel festlegenGeben Sie jeder Seite eine sprechende Adresse und einen Arbeitstitel. Das zwingt zur Klarheit über das Thema.
- Als Plan festhalten und prüfenZeichnen Sie die Struktur als Baum auf oder legen Sie sie als Tabelle an. Gehen Sie typische Kundenwege durch: Findet ein Interessent für Heizungstausch in zwei Klicks die richtige Seite und den Kontakt?
Sonderfälle: Zielgruppen, Standorte und Wissensbereich
Mehrere Zielgruppen
Spricht Ihr Betrieb Privat- und Gewerbekunden an, gibt es zwei Wege: Entweder Sie gliedern nach Leistungen und gehen auf jeder Leistungsseite auf beide Gruppen ein, oder Sie legen getrennte Bereiche an. Getrennte Bereiche lohnen sich nur, wenn sich Angebot, Ablauf und Fragen deutlich unterscheiden – etwa bei einem Elektrobetrieb, der Privathaushalte und Industrieanlagen betreut. Sonst entstehen schnell doppelte Seiten.
Mehrere Standorte
Echte Niederlassungen bekommen eigene Seiten mit Adresse, Team und Anfahrt, gesammelt unter einem Bereich wie /standorte/. Die Leistungsseiten bleiben dabei zentral, statt für jeden Standort kopiert zu werden.
Wissensbereich
Ein Ratgeber mit Antworten auf häufige Kundenfragen bekommt einen eigenen Bereich, der klar von den Leistungsseiten getrennt ist. Die Ratgeber-Artikel erklären, die Leistungsseiten verkaufen – und verlinken jeweils aufeinander.
Typische Fehler in der Seitenstruktur
- Struktur nach Organigramm: Menüpunkte wie „Abteilung Technik“ sagen Kunden nichts. Gliedern Sie nach Kundenfragen.
- Sammelseite statt Leistungsseiten: Alle Leistungen auf einer Seite machen es unmöglich, für einzelne Leistungen gefunden zu werden.
- Doppelte Themen: Zwei Seiten zur selben Leistung mit leicht anderem Namen.
- Verwaiste Seiten: Seiten, auf die nichts verlinkt, werden weder von Besuchern noch von Suchmaschinen zuverlässig gefunden.
- Leere Platzhalter: „Neuigkeiten“ oder „Galerie“ ohne aktuelle Inhalte wirken schnell vernachlässigt.
- Struktur ohne Wachstum: Kein Platz für neue Leistungen, Standorte oder Stellenangebote.
Struktur ändern bei einer bestehenden Website
Wenn Sie eine bestehende Website neu ordnen, ist die alte Struktur nicht wertlos. Seiten, die bei Google gut laufen oder auf die andere Websites verlinken, sollten ihre Adresse möglichst behalten. Alle anderen alten Adressen werden auf die thematisch passende neue Seite weitergeleitet. Wie Sie dabei vorgehen, zeigt unsere Website-Relaunch-Checkliste.
Checkliste
- Jede Seite hat ein eindeutiges Hauptthema, kein Thema kommt doppelt vor.
- Jede wichtige Leistung hat eine eigene Seite.
- Die Struktur hat höchstens drei Ebenen, wichtige Seiten sind von der Startseite verlinkt.
- Gruppen und Bezeichnungen folgen der Sprache Ihrer Kunden.
- Alle URLs sind kurz, kleingeschrieben, mit Bindestrichen und ohne Umlaute.
- Impressum und Datenschutz sind von jeder Seite aus erreichbar.
- Es gibt keine Seiten ohne eingehende Links.
- Die Struktur bietet Platz für neue Leistungen und Inhalte.
- Bei Änderungen ist für jede alte URL eine Weiterleitung geplant.
Häufige Fragen
Womit zeichne ich eine Seitenstruktur am besten?
Für den Anfang reichen Papier, Haftnotizen oder eine Tabelle mit den Spalten Seite, übergeordnete Seite, URL und Hauptthema. Wer es visueller mag, nutzt ein kostenloses Whiteboard- oder Mindmap-Werkzeug. Wichtig ist nicht das Programm, sondern dass alle Beteiligten denselben Plan sehen und Änderungen an einer Stelle festgehalten werden.
Wie viele Menüpunkte sollte das Hauptmenü haben?
Eine feste Zahl gibt es nicht, aber weniger ist meist besser. Bei Firmenwebsites haben sich etwa fünf bis sieben Hauptpunkte bewährt, ergänzt um einen deutlich sichtbaren Kontakt-Button. Nicht jede Seite der Struktur muss im Hauptmenü stehen: Pflichtseiten gehören in den Footer, einzelne Leistungen können in einem Untermenü oder auf einer Übersichtsseite liegen.
Brauche ich eine XML-Sitemap, wenn die Struktur gut ist?
Eine XML-Sitemap ist eine Liste aller Seiten für Suchmaschinen und ersetzt keine gute Struktur. Sie kann aber helfen, dass neue oder tief liegende Seiten schneller gefunden werden. Die meisten Content-Management-Systeme erstellen sie automatisch. Reichen Sie die Sitemap in der Google Search Console ein und prüfen Sie, ob nur Seiten enthalten sind, die tatsächlich in der Suche erscheinen sollen.
Sollten Standorte eigene Seiten bekommen?
Wenn Sie an mehreren Orten echte Niederlassungen mit Adresse und Ansprechpartnern haben, ja – jede mit eigenen Inhalten zu Team, Anfahrt und Besonderheiten. Seiten für Orte, an denen Sie keinen Sitz haben und die sich nur im Ortsnamen unterscheiden, sind dagegen heikel, weil Google solche nahezu gleichen Seiten als minderwertig einstufen kann.
Quellen
- Nielsen Norman Group: Flat vs. Deep Website Hierarchies
- Google Search Central: Best Practices für die URL-Struktur
- Google Search Central: SEO-Leitfaden für Anfänger – Kanonische URL, Verzeichnisse, Linktexte
- Google Search Central: Strukturierte Daten für Navigationspfade
- Nielsen Norman Group: Content Inventory and Auditing 101
H. Kiassif leitet das Marketing bei NEUZEITWERBER und betreut Websites, Kampagnen und Anfragestrecken für Betriebe aus Handwerk und Mittelstand.