KI im Betrieb

Prompts schreiben: So bekommen Sie von ChatGPT brauchbare Ergebnisse

Ob Angebotsbegleittext, Antwort auf eine Reklamation oder Beschreibung einer Leistung: Wie gut ChatGPT hilft, hängt vor allem davon ab, wie Sie fragen. Wir zeigen den Aufbau eines guten Prompts, die wichtigsten Techniken und Vorlagen für den Alltag im Betrieb.

H. KiassifMarketingleiter Aktualisiert am 06.11.2026 8 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist ein Prompt?
  2. Die vier Bausteine eines guten Prompts
  3. Vorher und nachher: ein Beispiel
  4. Bewährte Techniken für bessere Ergebnisse
  5. Vorlagen für den Alltag im Betrieb
  6. Prompts wiederverwenden statt jedes Mal neu schreiben
  7. Häufige Fehler beim Prompten
  8. Grenzen: Was auch der beste Prompt nicht leistet
  9. Checkliste für Ihren nächsten Prompt
  10. Häufige Fragen
Illustration zum Thema Prompts schreiben KI IM BETRIEB
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein guter Prompt beantwortet vier Fragen: Welche Rolle soll die KI einnehmen, was ist die Aufgabe, welcher Kontext gehört dazu, und in welchem Format soll das Ergebnis kommen?
  • Die häufigste Ursache für schwache Ergebnisse ist fehlender Kontext. Die KI kennt weder Ihren Betrieb noch Ihre Kunden, solange Sie es ihr nicht sagen.
  • Beispiele wirken stärker als lange Beschreibungen: Ein Muster-Text zeigt Ton und Aufbau besser als jede Anweisung.
  • Prompten ist ein Dialog. Das erste Ergebnis ist ein Entwurf; mit gezielten Nachfragen wird es brauchbar.
  • Bewährte Prompts gehören in eine gemeinsame Vorlagensammlung. Kundendaten und Interna gehören dagegen nicht in private KI-Konten.

„Schreib mir eine E-Mail an einen Kunden wegen der Verzögerung.“ Das Ergebnis eines solchen Prompts kennen viele: höflich, glatt, austauschbar – und meistens nicht das, was man selbst geschrieben hätte. Der Grund liegt selten am Werkzeug. ChatGPT, Gemini oder Copilot liefern mit wenigen Zusatzangaben deutlich bessere Ergebnisse.

In diesem Ratgeber geht es um das Handwerkszeug: wie Sie einen Prompt aufbauen, welche Techniken sich bewährt haben und wie Vorlagen für typische Aufgaben im Betrieb aussehen. Welche Regeln für den Einsatz im Team gelten und welche Daten tabu sind, behandeln wir im Beitrag ChatGPT im Unternehmen. Konkrete Einsatzbeispiele finden Sie unter KI im Handwerk.

Was ist ein Prompt?

Ein Prompt ist die Eingabe, mit der Sie einem KI-Sprachmodell sagen, was es tun soll: eine Frage, eine Anweisung, ein Text zum Überarbeiten oder eine Kombination daraus. Das Modell hat keinen Zugriff auf Ihre Gedanken, Ihre Kundenakte oder Ihre bisherigen Angebote, sofern Sie diese nicht mitgeben. Alles, was im Prompt fehlt, füllt es mit dem Wahrscheinlichsten auf – und das Wahrscheinlichste ist eben oft das Allgemeinste.

OpenAI fasst es in seinen Empfehlungen für ChatGPT so zusammen: Prompts sollten klar und konkret sein und genug Kontext liefern, damit das Modell versteht, worum es geht.

Die vier Bausteine eines guten Prompts

Google beschreibt in der Hilfe zu Gemini vier Bausteine, die sich auf jedes KI-Werkzeug übertragen lassen: Persona, Aufgabe, Kontext und Format. Sie müssen nicht immer alle vier verwenden, aber jeder zusätzliche Baustein verbessert das Ergebnis spürbar.

BausteinLeitfrageBeispiel aus dem Betrieb
RolleAus welcher Sicht soll die KI schreiben?„Du bist Kundenberaterin in einem Sanitärbetrieb mit zwölf Mitarbeitenden.“
AufgabeWas genau soll entstehen?„Schreibe eine E-Mail, die eine Terminverschiebung erklärt.“
KontextWas muss die KI wissen?„Lieferverzug bei der Duschwand, neuer Termin in zwei Wochen, Kundin ist Stammkundin.“
FormatWie soll das Ergebnis aussehen?„Sie-Form, höchstens 120 Wörter, ohne Floskeln, mit Betreffzeile.“
Faustregel: so viel Kontext wie für eine neue Aushilfe

Stellen Sie sich vor, Sie geben die Aufgabe einer neuen Aushilfe, die Ihren Betrieb nicht kennt. Alles, was Sie ihr erklären müssten, gehört auch in den Prompt.

Vorher und nachher: ein Beispiel

Wie viel die Bausteine ausmachen, zeigt ein Vergleich. Der erste Prompt ist typisch für den Einstieg:

Schreib eine E-Mail an eine Kundin wegen Verzögerung.

Das Ergebnis wird höflich, aber allgemein ausfallen und vermutlich Dinge erfinden, etwa einen Grund für die Verzögerung oder einen Gutschein. Die verbesserte Fassung:

Du bist Kundenberaterin bei einem Sanitärbetrieb. Schreibe eine E-Mail an Frau Beispiel, eine langjährige Kundin. Ihre Badsanierung verschiebt sich um zwei Wochen, weil die bestellte Duschwand vom Hersteller verspätet geliefert wird. Neuer Starttermin: Montag, 23. November. Entschuldige dich kurz, erkläre den Grund sachlich, nenne den neuen Termin und biete einen Rückruf an. Keine Rabatte oder Zusagen, die hier nicht stehen. Sie-Form, freundlich und direkt, höchstens 120 Wörter, mit Betreffzeile.

Der zweite Prompt braucht eine Minute länger. Dafür ist das Ergebnis meist nach einer kleinen Korrektur versandfertig, statt komplett umgeschrieben werden zu müssen.

Bewährte Techniken für bessere Ergebnisse

Über die vier Bausteine hinaus haben sich einige Techniken bewährt, die auch OpenAI in seinen Empfehlungen beschreibt.

Beispiele mitgeben

Mit Beispielen erkennt das Modell Muster, Stil und Art der erwarteten Antwort. Fügen Sie eine E-Mail ein, die Ihnen gefallen hat, oder eine bestehende Leistungsbeschreibung, und schreiben Sie dazu: „Orientiere dich an Ton und Aufbau dieses Beispiels.“ Das ersetzt lange Beschreibungen wie „locker, aber seriös“.

Text und Anweisung trennen

Wenn die KI einen Text überarbeiten, kürzen oder übersetzen soll, markieren Sie klar, wo dieser Text beginnt und endet, zum Beispiel mit drei Anführungszeichen oder einer Zeile wie „TEXT:“. OpenAI nennt solche Trennzeichen ausdrücklich als Hilfe, damit das Modell Anweisung und Material nicht verwechselt.

In Schritten denken lassen

Bei Aufgaben mit mehreren Teilen hilft eine nummerierte Abfolge: „1. Fasse die Kundenanfrage in drei Punkten zusammen. 2. Liste offene Fragen auf. 3. Schreibe eine Antwort, die diese Fragen stellt.“ So bekommen Sie Zwischenergebnisse, die Sie prüfen können.

Rückfragen erlauben

Ein unterschätzter Satz am Ende eines Prompts: „Stelle mir zuerst Fragen, wenn dir Informationen fehlen.“ Statt zu raten, fragt die KI dann nach Umfang, Zielgruppe oder Termin.

Ton und Länge benennen

Beschreibende Adjektive wie „sachlich“, „herzlich“ oder „knapp“ steuern den Stil. Eine Wortzahl oder „höchstens fünf Sätze“ verhindert ausufernde Texte.

Nachschärfen statt neu anfangen

OpenAI betont, dass gute Prompts meist durch schrittweise Verbesserung entstehen. Sagen Sie konkret, was nicht passt: „Kürzer, ohne den zweiten Absatz, und der Termin soll im ersten Satz stehen.“ Das ist schneller als ein komplett neuer Prompt.

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Vorlagen für den Alltag im Betrieb

Die folgenden Vorlagen können Sie kopieren und die Angaben in eckigen Klammern ersetzen. Sie folgen alle dem Muster Rolle, Aufgabe, Kontext, Format.

Begleittext zum Angebot

Du bist Inhaber eines [Gewerk]-Betriebs in [Region]. Schreibe einen kurzen Begleittext zu einem Angebot für [Leistung]. Kontext: Vor-Ort-Termin am [Datum], Besonderheiten: [z. B. Altbau, enge Zufahrt]. Der Text soll die wichtigsten Positionen in einfachen Worten erklären, die Gültigkeit des Angebots nennen und zum Rückruf einladen. Keine Preise und Zusagen, die hier nicht stehen. Sie-Form, höchstens 150 Wörter.

Antwort auf eine Reklamation

Du bist Kundenservice eines [Branche]-Unternehmens. Formuliere eine Antwort auf die folgende Beschwerde. Ziel: Verständnis zeigen, Sachverhalt klären, nächsten Schritt anbieten. Wir haben [Sachstand intern] festgestellt. Wir räumen [nichts / Folgendes] ein. Ton: ruhig, sachlich, ohne Schuldzuweisung. Höchstens 150 Wörter. BESCHWERDE: """[Text der Kundin ohne Namen und Adresse]"""

Leistungsbeschreibung für die Website

Du bist Texter für Handwerksbetriebe. Schreibe einen Entwurf für einen Abschnitt über unsere Leistung [Leistung]. Zielgruppe: [z. B. Eigentümer von Einfamilienhäusern]. Fakten: [Ablauf, Dauer, Einzugsgebiet, Besonderheiten]. Beantworte die Fragen: Für wen ist das? Wie läuft es ab? Was müssen Kunden vorbereiten? Gliedere mit Zwischenüberschriften, keine Werbefloskeln, keine erfundenen Zahlen.

Beitrag für Instagram oder das Google-Profil

Du betreust die Social-Media-Kanäle eines [Gewerk]-Betriebs. Schreibe drei Varianten eines kurzen Beitrags zu diesem abgeschlossenen Projekt: [Was wurde gemacht, wo, Besonderheit]. Zielgruppe: Privatkunden aus der Region. Jede Variante höchstens 60 Wörter, ein Satz zum Ergebnis, ein Satz zur Arbeit dahinter, eine Einladung zur Anfrage. Keine Kundennamen, keine Übertreibungen.

Zusammenfassung einer langen E-Mail

Fasse die folgende E-Mail in höchstens fünf Stichpunkten zusammen. Markiere Termine, Fristen und offene Fragen gesondert. Wenn etwas unklar ist, schreibe „unklar“ statt zu raten. E-MAIL: """[Text]"""

Keine personenbezogenen Daten in private Konten

Namen, Adressen, Telefonnummern oder Gesundheitsdaten von Kunden gehören nicht in private KI-Konten. Ersetzen Sie sie durch Platzhalter wie „Kundin A“. Welche Kontoarten und Einstellungen für Betriebe infrage kommen, ist im Einzelfall zu prüfen; Datenschutzfragen klären Sie am besten mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Prompts wiederverwenden statt jedes Mal neu schreiben

Wer dieselbe Art von Aufgabe regelmäßig erledigt, sollte gute Prompts nicht jedes Mal neu erfinden. Drei Wege haben sich bewährt:

  • Feste Anweisungen hinterlegen: In ChatGPT lassen sich in den Einstellungen dauerhafte Hinweise speichern, etwa „Antworte immer in Sie-Form und auf Deutsch“. Laut OpenAI gelten sie für neue Unterhaltungen.
  • Eigene Assistenten: Viele Werkzeuge erlauben eigene, wiederverwendbare Assistenten mit festen Anweisungen und Beispieldateien, bei Gemini etwa „Gems“. Google empfiehlt für deren Anweisungen dieselben vier Bausteine wie für einzelne Prompts.
  • Vorlagensammlung im Team: Ein gemeinsames Dokument mit erprobten Prompts nach Aufgaben sortiert. Wer einen Prompt verbessert, aktualisiert ihn dort.

Häufige Fehler beim Prompten

  • Zu wenig Kontext: Die KI kennt weder Ihren Betrieb noch den Anlass. Ohne diese Angaben bleibt das Ergebnis allgemein.
  • Mehrere Aufgaben in einem Satz: „Schreib eine E-Mail, einen Instagram-Post und fass das Angebot zusammen“ führt zu drei halben Ergebnissen. Besser nacheinander.
  • Keine Grenzen setzen: Ohne „keine Rabatte erfinden“ oder „nur die genannten Fakten“ ergänzt das Modell gern Plausibles.
  • Ergebnisse ungeprüft übernehmen: OpenAI weist selbst darauf hin, dass ChatGPT überzeugend klingen und trotzdem falschliegen kann. Zahlen, Fristen, Normen und rechtliche Aussagen immer prüfen.
  • Nach dem ersten Versuch aufgeben: Ein mittelmäßiges erstes Ergebnis ist normal. Zwei, drei gezielte Nachfragen machen meist den Unterschied.

Grenzen: Was auch der beste Prompt nicht leistet

Ein guter Prompt verbessert Form und Treffsicherheit, aber er macht aus einem Sprachmodell keine Fachkraft. Rechtliche Bewertungen, statische Berechnungen oder verbindliche Preise bleiben Ihre Aufgabe. Auch Texte für die Website sollten Sie mit eigener Erfahrung anreichern; wie Google KI-gestützte Inhalte bewertet, erklären wir im Beitrag Werden KI-Texte von Google abgestraft?

Ein Hinweis zu neueren Modellen: OpenAI unterscheidet in seiner Entwicklerdokumentation zwischen Modellen, die vor der Antwort „nachdenken“, und klassischen Modellen. Erstere kommen oft mit einem klar beschriebenen Ziel aus, Letztere brauchen genauere Schritt-für-Schritt-Anweisungen. Wenn ein sehr detaillierter Prompt schlechtere Ergebnisse liefert, kann ein kürzerer Prompt mit klarem Ziel einen Versuch wert sein.

Checkliste für Ihren nächsten Prompt

  • Rolle festgelegt: Aus welcher Sicht soll geschrieben werden?
  • Aufgabe konkret benannt: Was genau soll entstehen?
  • Kontext ergänzt: Anlass, Zielgruppe, Fakten, Besonderheiten.
  • Format bestimmt: Länge, Ansprache, Gliederung, Betreffzeile.
  • Grenzen gesetzt: keine erfundenen Zahlen, Rabatte oder Zusagen.
  • Bei Bedarf ein Beispiel für Ton und Aufbau mitgegeben.
  • Zu bearbeitende Texte mit Trennzeichen markiert.
  • Personenbezogene Daten durch Platzhalter ersetzt.
  • Ergebnis geprüft und gezielt nachgeschärft.
  • Gelungenen Prompt in der Vorlagensammlung gespeichert.
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Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Prompt sein?

So lang wie nötig, um Rolle, Aufgabe, Kontext und Format klarzumachen. Für eine kurze E-Mail reichen oft drei bis fünf Sätze, für eine Leistungsbeschreibung mit Fakten auch eine halbe Seite. Länge ist kein Ziel an sich: Überflüssige oder widersprüchliche Anweisungen verschlechtern das Ergebnis eher. Entscheidend ist, dass alle Informationen drinstehen, die das Modell nicht selbst wissen kann.

Funktionieren dieselben Prompts in ChatGPT, Gemini und Copilot?

Im Grundsatz ja. Die vier Bausteine und die Techniken in diesem Ratgeber gelten für alle gängigen Sprachmodelle. Die Ergebnisse unterscheiden sich trotzdem, weil die Modelle unterschiedlich trainiert sind und sich mit jeder neuen Version verändern. Testen Sie wichtige Vorlagen deshalb kurz im jeweiligen Werkzeug und passen Sie sie bei Bedarf an, statt einen Prompt blind zu übernehmen.

Sollte ich auf Englisch prompten, um bessere Ergebnisse zu bekommen?

Für Texte, die am Ende auf Deutsch erscheinen sollen, prompten Sie am besten auch auf Deutsch. Die gängigen Modelle verstehen deutsche Anweisungen gut, und Sie vermeiden holprige Übersetzungen oder englische Satzmuster im Ergebnis. Wichtiger als die Sprache ist, dass die Anweisungen klar und vollständig sind. Fachbegriffe Ihrer Branche können Sie dabei ruhig verwenden.

Sind Prompt-Vorlagen aus dem Internet empfehlenswert?

Sie sind ein guter Ausgangspunkt, aber selten fertig. Fertige Vorlagen kennen Ihren Betrieb, Ihre Kunden und Ihren Ton nicht. Nutzen Sie sie als Gerüst und ergänzen Sie Kontext, Fakten und ein eigenes Beispiel. Vorsicht bei Vorlagen, die versprechen, Sicherheitsregeln der KI zu umgehen oder angeblich geheime Funktionen freizuschalten: Das bringt im Betriebsalltag nichts und kann gegen Nutzungsbedingungen verstoßen.

Quellen

  1. OpenAI Help Center: Prompt engineering best practices for ChatGPT – Persona, Trennzeichen, Schritte, Beispiele, Klarheit, Iteration, Ton
  2. OpenAI API-Dokumentation: Prompt engineering – Beispiele, Kontext, Unterschied Reasoning- und GPT-Modelle
  3. Gemini-Apps-Hilfe: Tipps zum Erstellen von benutzerdefinierten Gems – Persona, Aufgabe, Kontext, Format
  4. OpenAI Help Center: Custom instructions for ChatGPT – Dauerhafte Hinweise für neue Unterhaltungen
  5. OpenAI Help Center: Does ChatGPT tell the truth? – Grenzen und Halluzinationen
H. KiassifMarketingleiter bei NEUZEITWERBER

H. Kiassif leitet das Marketing bei NEUZEITWERBER und betreut Websites, Kampagnen und Anfragestrecken für Betriebe aus Handwerk und Mittelstand.

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