Microcopy: Kleine Texte mit großer Wirkung auf Ihrer Website
Fehlermeldungen, Hinweise unter Eingabefeldern, Texte bei leeren Suchergebnissen: Diese kleinen Texte lesen Besucher genau dann, wenn sie unsicher sind. Wir zeigen, was gute Microcopy ausmacht, mit Beispielen aus Handwerk und Mittelstand.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Microcopy?
- Warum kleine Texte so viel bewirken
- Grundregeln für gute Microcopy
- Fehlermeldungen, die weiterhelfen
- Hinweise und Hilfetexte: Fehler gar nicht erst entstehen lassen
- Leere Zustände und Wartezeiten
- Bestätigungen und Pflichttexte
- Microcopy überarbeiten in fünf Schritten
- Checkliste: Microcopy
- Häufige Fragen
- Microcopy sind die kurzen Texte an Entscheidungs- und Problemstellen: Feldbeschriftungen, Hinweise, Fehlermeldungen, Bestätigungen, Leerzustände.
- Gute Microcopy ist konkret, kurz, neutral im Ton und verwendet überall dieselben Begriffe.
- Fehlermeldungen sagen, was passiert ist und wie es weitergeht. „Ungültige Eingabe“ hilft niemandem.
- Leere Bereiche – Suche ohne Treffer, keine offenen Stellen – brauchen einen Satz zur Lage und einen nächsten Schritt.
- Die WCAG verlangen Beschriftungen und verständliche Fehlerhinweise. Microcopy ist damit auch ein Thema der Barrierefreiheit.
Ein Interessent füllt das Anfrageformular aus, klickt auf „Absenden“ – und oben erscheint in Rot: „Ein Fehler ist aufgetreten.“ Welcher Fehler? Ist die Anfrage angekommen? Soll er es noch einmal versuchen? Viele Besucher versuchen es nicht noch einmal. Sie rufen beim Wettbewerber an.
Solche Momente entscheiden selten über Gestaltung oder Technik, sondern über ein paar Wörter. Diese kleinen Texte nennt man Microcopy. Dieser Leitfaden erklärt, wo sie überall vorkommt, nach welchen Regeln Sie sie schreiben und wie Sie typische Schwachstellen auf Ihrer Website finden.
Was ist Microcopy?
Als Microcopy bezeichnet man kurze Texte in der Bedienoberfläche einer Website oder App, die Nutzern beim Handeln helfen. Sie stehen nicht im Fließtext, sondern direkt an der Stelle, an der jemand etwas tun oder verstehen muss. Die Nielsen Norman Group spricht in verwandtem Sinn von Microcontent: kurzen Textfragmenten, die oft ohne weiteren Zusammenhang gelesen werden.
Typische Formen sind:
| Art | Schwaches Beispiel | Besseres Beispiel |
|---|---|---|
| Feldbeschriftung | „Anliegen“ | „Worum geht es? (z. B. Heizung tauschen, Wartung)“ |
| Hinweis unter einem Feld | – | „Nur für Rückfragen zu Ihrem Termin, keine Werbung.“ |
| Fehlermeldung | „Ungültige Eingabe“ | „Geben Sie die Postleitzahl mit fünf Ziffern ein.“ |
| Bestätigung | „Erfolgreich gesendet“ | „Danke, Ihre Anfrage ist da. Wir melden uns bis morgen 12 Uhr.“ |
| Leerzustand | „Keine Ergebnisse“ | „Zu ‚Wallbx‘ haben wir nichts gefunden. Meinten Sie ‚Wallbox‘?“ |
| Hinweis am Button | – | „Unverbindlich und kostenlos, Antwort innerhalb eines Werktags.“ |
Auch die Beschriftung von Buttons ist Microcopy. Weil sie eine eigene Wissenschaft für sich ist, behandeln wir sie im Beitrag Call-to-Action gestalten. Hier geht es um die Texte drumherum.
Warum kleine Texte so viel bewirken
Microcopy wird an Stellen gelesen, an denen Besucher zögern: vor dem Absenden, nach einem Fehler, wenn etwas fehlt. Wer dort eine klare Antwort bekommt, macht weiter. Wer keine bekommt, bricht ab – oft ohne dass der Betrieb es je erfährt.
Hinzu kommt die Barrierefreiheit. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C enthalten mehrere Anforderungen, die direkt Microcopy betreffen:
- 3.3.1 Fehlererkennung: Erkannte Eingabefehler werden benannt und in Textform beschrieben.
- 3.3.2 Beschriftungen oder Anweisungen: Wo Eingaben nötig sind, gibt es Beschriftungen oder Anweisungen.
- 3.3.3 Fehlerkorrektur-Vorschläge (Stufe AA): Ist eine Korrektur bekannt, wird sie dem Nutzer vorgeschlagen, sofern das nicht Sicherheit oder Zweck des Inhalts gefährdet.
Das W3C begründet das unter anderem damit, dass das bloße Markieren eines Fehlers für viele Menschen nicht reicht – etwa für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder blinde Nutzer, die sonst nicht wissen, wie sie den Fehler beheben. Welche Websites nach den WCAG gestaltet sein müssen, erklärt der Beitrag WCAG 2.2.
Grundregeln für gute Microcopy
- Konkret statt allgemein: „Die Datei ist größer als 10 MB“ statt „Upload fehlgeschlagen“.
- Kurz, aber vollständig: So wenig Wörter wie möglich, so viele wie nötig, damit niemand raten muss.
- Aus Sicht der Besucher: Was wollen sie gerade erreichen, und was brauchen sie dafür? Interne Begriffe wie „Ticket“ oder „Auftragsart“ verstehen Kunden oft nicht.
- Einheitlich: Heißt es oben „Rückruf“, sollte es unten nicht „Callback“ heißen. Dieselbe Sache, dasselbe Wort.
- Neutral und freundlich: Keine Schuldzuweisung („Sie haben vergessen …“), keine Fachsprache, keine Ausrufezeichen-Ketten.
- Passend zur Ansprache: Wer auf der Website siezt, siezt auch in Fehlermeldungen. Ein plötzliches „Ups, da lief was schief!“ wirkt in einem seriösen Umfeld fremd.
Legen Sie in einer Tabelle fest, welche Begriffe Ihre Website verwendet: „Anfrage“ oder „Angebot anfordern“? „Termin“ oder „Besichtigung“? „Ansprechpartner“ oder „Berater“? Eine halbe Seite reicht. Wer später Texte ergänzt, hält sich daran – und die Website klingt aus einem Guss.
Fehlermeldungen, die weiterhelfen
Fehlermeldungen sind die wichtigste Form von Microcopy, weil sie in einem Moment der Frustration gelesen werden. Die Nielsen Norman Group hat dafür 2023 Richtlinien zusammengefasst, das Designsystem der britischen Regierung (GOV.UK) gibt sehr konkrete Formulierungsregeln. Zusammengefasst:
- Sagen, was passiert istDas konkrete Problem benennen, nicht „Es ist ein Fehler aufgetreten“.
- Sagen, wie es weitergehtEine Lösung oder einen Ausweg anbieten: Format, Alternative, Kontaktmöglichkeit.
- Beim Feld anzeigenDie Meldung erscheint direkt an der Stelle, um die es geht, und nicht nur durch Farbe kenntlich, sondern zusätzlich mit Text oder Symbol.
- Die Worte der Beschriftung aufgreifenHeißt das Feld „Telefonnummer für Rückfragen“, lautet die Meldung „Geben Sie eine Telefonnummer für Rückfragen ein“.
- Eingaben behaltenNiemand sollte nach einem Fehler das ganze Formular neu ausfüllen müssen.
- Nicht zu früh warnenEin leeres Feld, in das jemand nur hineingeklickt hat, ist noch kein Fehler.
Das GOV.UK-Designsystem rät außerdem von Wörtern wie „ungültig“ ab, weil sie nichts erklären. Für leere Pflichtfelder empfiehlt es Anweisungen („Geben Sie Ihren Vornamen ein“), für falsche Eingaben Beschreibungen („Der Name darf höchstens 35 Zeichen lang sein“).
Beispiele: vorher und nachher
| Situation | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| E-Mail ohne @ | „Ungültige E-Mail“ | „Geben Sie eine E-Mail-Adresse im Format name@beispiel.de ein.“ |
| Pflichtfeld leer | „Pflichtfeld!“ | „Geben Sie an, worum es bei Ihrer Anfrage geht.“ |
| Datei zu groß | „Upload error“ | „Die Datei ist größer als 10 MB. Verkleinern Sie das Foto oder senden Sie es per E-Mail.“ |
| Server nicht erreichbar | „Fehler 500“ | „Ihre Nachricht konnte gerade nicht gesendet werden. Versuchen Sie es in einigen Minuten erneut oder rufen Sie uns an: 07151 …“ |
Wie Formulare insgesamt aufgebaut sein sollten – welche Felder, welche Reihenfolge, welcher Spamschutz –, lesen Sie im Beitrag Kontaktformular optimieren.
Wir gestalten Websites, bei denen auch Hinweise und Fehlermeldungen durchdacht sind.
Hinweise und Hilfetexte: Fehler gar nicht erst entstehen lassen
Die beste Fehlermeldung ist die, die nie erscheint. Kurze Hinweise vor der Eingabe verhindern viele Fehler:
- Format nennen: „Datum im Format TT.MM.JJJJ“ oder „Fotos als JPG oder PNG, bis 10 MB“.
- Begründen, warum Sie etwas fragen: „Ihre Adresse brauchen wir, um die Anfahrt zu planen.“ Die Nielsen Norman Group empfiehlt, zu erklären, wofür Angaben benötigt werden – das schafft Vertrauen.
- Optional kennzeichnen: Klar sagen, welche Angaben freiwillig sind.
- Erwartungen setzen: „Rückruf werktags zwischen 8 und 17 Uhr.“
Grauer Text im Feld, der beim Tippen verschwindet, ist als einzige Beschriftung ungeeignet. Das W3C weist darauf hin, dass Screenreader Platzhalter nicht als Beschriftung behandeln, der Text beim Tippen verschwindet und Browser ihn oft mit zu wenig Kontrast darstellen. Beschriftungen gehören über das Feld, Beispiele dürfen zusätzlich als Platzhalter erscheinen.
Leere Zustände und Wartezeiten
Ein häufig übersehener Ort für Microcopy sind Bereiche, in denen gerade nichts zu sehen ist. Die Nielsen Norman Group nennt für solche Leerzustände drei Aufgaben: den Zustand erklären, beim Verstehen helfen und einen direkten Weg zur nächsten Handlung anbieten. Auf Firmenwebsites betrifft das zum Beispiel:
- Suche ohne Treffer: Statt „Keine Ergebnisse“ einen Hinweis auf Schreibweise, Vorschläge für beliebte Seiten und die Telefonnummer.
- Karriereseite ohne offene Stellen: „Gerade ist keine Stelle ausgeschrieben. Wir freuen uns trotzdem über Ihre Initiativbewerbung“ – mit Link.
- Referenzfilter ohne Ergebnis: „Für diese Kombination haben wir noch kein Projekt online. Sehen Sie sich alle Badprojekte an.“
- Ladevorgänge: Während Inhalte laden, eine Ladeanzeige statt einer verfrühten „Keine Daten“-Meldung. Die Nielsen Norman Group warnt, dass eine solche Meldung Vertrauen kostet, wenn Sekunden später doch Inhalte erscheinen.
Ein Sonderfall ist die Fehlerseite für nicht gefundene Adressen. Was dort hingehört, beschreibt der Beitrag 404-Seite gestalten.
Bestätigungen und Pflichttexte
Nach jeder Aktion wollen Besucher wissen, ob sie geklappt hat. Eine gute Bestätigung sagt, was passiert ist, was als Nächstes passiert und wann. „Danke, Ihre Anfrage ist bei uns. Sie erhalten gleich eine Kopie per E-Mail, Herr Maier meldet sich bis morgen Mittag“ beantwortet alle drei Fragen.
Manche Microcopy ist gesetzlich vorgegeben. Wer online Verträge mit Verbrauchern schließt, muss den Bestellbutton nach § 312j Abs. 3 BGB mit „zahlungspflichtig bestellen“ oder einer entsprechend eindeutigen Formulierung beschriften. Für Online-Shops und Buchungsstrecken sollten solche Texte deshalb im Einzelfall rechtlich geprüft werden; dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Microcopy überarbeiten in fünf Schritten
- BestandsaufnahmeGehen Sie jede wichtige Strecke durch – Anfrage, Rückruf, Bewerbung, Terminbuchung – und provozieren Sie bewusst Fehler: Felder leer lassen, falsches Format, zu große Datei. Machen Sie von jeder Meldung einen Screenshot.
- Standardtexte aufspürenFormular- und Shop-Plugins bringen eigene Meldungen mit, oft auf Englisch oder in holprigem Deutsch. In den Plugin-Einstellungen lassen sie sich meist anpassen.
- Neu formulierenJede Meldung nach dem Muster „Was ist passiert? Was kann ich tun?“ umschreiben, mit den Begriffen aus Ihrer Wortliste.
- Gegenlesen lassenJemand, der Ihr Unternehmen nicht kennt, liest die Texte. Was er nicht sofort versteht, wird vereinfacht.
- Regelmäßig prüfenNach Updates von Plugins oder Themes können Standardtexte zurückkehren. Ein kurzer Test pro Quartal genügt.
Checkliste: Microcopy
- Jedes Eingabefeld hat eine sichtbare Beschriftung, nicht nur einen Platzhalter.
- Formate und freiwillige Angaben sind vor der Eingabe erklärt.
- Fehlermeldungen nennen das konkrete Problem und die Lösung.
- Fehler erscheinen direkt am Feld und nicht nur durch Farbe.
- Eingaben bleiben nach einem Fehler erhalten.
- Es gibt keine Meldungen wie „Ungültige Eingabe“, „Fehler 500“ oder englische Standardtexte.
- Leere Suchergebnisse und Filter bieten einen nächsten Schritt an.
- Bestätigungen sagen, was passiert ist und wann es weitergeht.
- Begriffe und Ansprache sind auf der ganzen Website einheitlich.
Häufige Fragen
Wer sollte die Microcopy auf der Website schreiben?
Am besten jemand, der Kunden und Website gleichermaßen kennt. In kleinen Betrieben ist das oft die Person, die Anfragen annimmt, weil sie die Fragen und Missverständnisse aus dem Alltag kennt. Wichtig ist eine Zuständigkeit: Wenn Entwickler, Designer und Inhaber jeweils eigene Texte einbauen, entsteht ein Durcheinander aus Begriffen. Eine kurze Wortliste und ein gemeinsamer Durchgang vor dem Livegang verhindern das.
Darf Microcopy witzig sein?
In Maßen und an der richtigen Stelle. Eine augenzwinkernde Formulierung auf einer Bestätigungsseite kann sympathisch wirken, wenn sie zum Ton der Marke passt. Bei Fehlermeldungen rät die Nielsen Norman Group von Humor ab, weil Witze bei wiederholten Fehlern schnell nerven und den Eindruck erwecken, das Problem werde nicht ernst genommen. Klarheit geht immer vor Originalität.
Wie teste ich, ob meine Microcopy funktioniert?
Am einfachsten mit einem kleinen Nutzertest: Bitten Sie zwei oder drei Personen aus Ihrem Umfeld, eine Anfrage auszufüllen, und beobachten Sie, wo sie zögern, nachfragen oder Fehler machen. Ergänzend helfen Zahlen aus der Webanalyse, etwa wie viele Besucher ein Formular beginnen, aber nicht absenden. Auch Rückfragen am Telefon sind ein Hinweis: Was dort immer wieder erklärt werden muss, fehlt oft als Hinweis auf der Website.
Sollte ich auf der Website siezen oder duzen?
Das hängt von Ihrer Zielgruppe und Ihrem Auftreten ab. Für die meisten Handwerksbetriebe, Kanzleien und Praxen ist das Sie die sichere Wahl, weil viele Kunden es im geschäftlichen Kontext erwarten. Entscheidend ist, dass die Ansprache überall gleich bleibt – auf den Seiten, in Formularen, Fehlermeldungen, Bestätigungs-E-Mails und im Chat. Ein Wechsel zwischen Sie und Du wirkt unaufmerksam.
Quellen
- Nielsen Norman Group: Error-Message Guidelines (2023)
- Nielsen Norman Group: Designing Empty States in Complex Applications (2021)
- Nielsen Norman Group: Microcontent – How to Write Headlines, Page Titles, and Subject Lines (2017) – Begriff Microcontent
- Nielsen Norman Group: B2B Trust from B2C (2019) – Erklären, warum Angaben benötigt werden
- GOV.UK Design System: Error message – Formulierungsregeln für Fehlermeldungen
- W3C: Understanding WCAG 2.2 – Success Criterion 3.3.3 Error Suggestion
- W3C WAI Forms Tutorial: Form Instructions – Platzhaltertext und Anweisungen
- § 312j BGB: Besondere Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr gegenüber Verbrauchern
H. Kiassif leitet das Marketing bei NEUZEITWERBER und betreut Websites, Kampagnen und Anfragestrecken für Betriebe aus Handwerk und Mittelstand.
